«Mit Kundenfokus, Leistungskultur und innovativen Lösungen nachhaltig erfolgreich in die Zukunft»

Im Gespräch mit Hans-Werner Gassner und Roland Matt

Die sich ändernden Märkte erfordern neue Strategien und Strukturen. Wie macht sich die LLB-Gruppe fit für die Zukunft?

Hans-Werner Gassner: Mit der Strategie Focus2015 haben wir uns neu ausgerichtet. Die gezielte Fokussierung unserer finanziellen und personellen Ressourcen auf klar definierte Kundensegmente und Märkte ist das Geschäftsmodell, mit dem wir uns im verschärften Wettbewerb nachhaltig erfolgreich behaupten können. Die Umsetzung der strategischen Initiativen verläuft planmässig. Wir haben unser Vertriebsnetz optimiert und die LLB Schweiz geschlossen sowie die Zweigniederlassung Lugano und die Treuhandgesellschaft Jura Trust verkauft. So konnten wir Komplexität abbauen und Kosten senken, zugleich aber die intensive Bearbeitung der Wachstumsmärkte sichern. Unsere drei Divisionen Retail & Corporate Banking, Private Banking sowie Institutional Clients haben den Zielgruppenfokus geschärft und ihre Marktaktivitäten erhöht. Zudem haben wir unser Risikomanagement in den letzten zwei Jahren massiv gestärkt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Geschäftsjahr 2013?

Roland Matt: Die Entwicklung der guten operativen Leistung setzte sich 2013 fort. Das Konzernergebnis der LLB-Gruppe beläuft sich per 31. Dezember 2013 auf CHF 53.8 Mio. und liegt damit 43.3 Prozent unter dem Vorjahr. Bereinigt um die Sonderfaktoren würde die LLB-Gruppe ein Konzernergebnis von CHF 112.4 Mio. ausweisen und somit jenes von 2012 übertreffen. Unser Jahresergebnis beinhaltet Rückstellungen für die US-Steuerthematik sowie für die Restrukturierung im Zuge von Focus2015. Das Neugeld-Wachstum in unseren Onshore- und Wachstumsmärkten im Jahr 2013 bestärkt mich darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Porträt Roland Matt (Foto)

Roland Matt, Group CEO

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die LLB-Gruppe ihre drei finanziellen Ziele bis Ende 2015 erreicht?

Roland Matt: Wir haben klare Entscheidungen zur Restrukturierung sowie zur Fokussierung getroffen, und die Strategie Focus2015 zeigt Wirkung. Die einmaligen Sonderfaktoren, die unser Jahresergebnis trüben, werden die strategische Ausrichtung der LLB-Gruppe nicht beeinflussen. Wir halten an unseren ehrgeizigen Zielen fest, die wir bis Ende 2015 erreichen wollen. Wir verfügen über eine solide Eigenkapitalbasis, die ausschliesslich aus hartem Kernkapital besteht, und unsere Tier 1 Ratio beträgt heute schon über 16 Prozent. Wir sind also kerngesund.

 

Welche Stärken bringt die LLB-Gruppe mit, um sich in der Bankenlandschaft weiterhin erfolgreich zu positionieren?

Porträt Dr. Hans-Werner Gassner (Foto)

Hans-Werner Gassner,
Präsident des Verwaltungsrates

Hans-Werner Gassner: Die Finanzindustrie ist mit einem sich zunehmend verändernden Umfeld konfrontiert. Sicherheit und Zuverlässigkeit spielen mehr denn je eine zentrale Rolle. Unser Hauptaktionär, das Land Liechtenstein, gehört zu den vierzehn Ländern weltweit, die über ein AAA-Rating verfügen. Mit dieser Eigentümerstruktur sind wir gut positioniert. Als Universalbank sind wir führend im Einlagen- und Kreditgeschäft in Liechtenstein und ein wichtiger Player in der Ostschweiz − dies in Kombination mit einem starken internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft und als verlässliche Partnerin für institutionelle Kunden. In Liechtenstein sind wir die einzige Bank mit Geschäftsstellen und einem Bancomatennetz.

Die LLB-Gruppe durfte bereits zahlreiche Auszeichnungen für ihre Investmentkompetenz entgegennehmen. So glänzt der Fonds LLB Aktien Regio Bodensee seit Jahren mit seiner Beständigkeit. Für seine absolute Performance über drei Jahre erhielt er Anfang 2014 − nach 2007 und 2008 − bereits zum dritten Mal einen Lipper Fund Award. Im November 2013 hatte die österreichische Fachzeitschrift für Finanzprofis «GELD» zwei unserer Strategiefonds mit je einem Dachfonds Award ausgezeichnet.

Wie haben Sie in die Zukunft investiert?

Roland Matt: Lassen Sie mich aus der Vielzahl von Massnahmen ein paar Highlights herausgreifen, die zeigen, wie wir unsere Kunden überzeugen. Um unseren Intermediärkunden strukturiertes, erprobtes Know-how zu bieten und die Zusammenarbeit mit ihnen zu intensivieren, haben wir im November 2013 die Online-Plattform «LLB Xpert views» lanciert. Das innovative Portal gewährt unter anderem Zugang zu bislang ausschliesslich bankintern zur Verfügung gestellten Informationen aus den Bereichen Investment, Recht und Steuern.

Gleichzeitig fand der Ausbau der digitalen Kanäle zum Nutzen unserer Kunden statt. Seit Dezember 2013 steht eine attraktive Lösung für das LLB Mobile Banking mit Smartphones und Tablets zur Verfügung. Unsere Mobile Banking App ist einfach sowie intuitiv zu bedienen und erfüllt zugleich höchste Sicherheitsstandards. Im Mai ist es uns überdies gelungen, mit der Einführung der Customer Service Centers in Vaduz und Uznach je einen Dreh- und Angelpunkt für Privat- und Firmenkunden zu schaffen. Dieser Service aus einer Hand stellt eine schnelle und unkomplizierte Lösung für die Bearbeitung von Kundenanliegen sicher. Mit innovativen Lösungen, um Banking richtig einfach zu machen, überzeugt insbesondere auch die Bank Linth ihre Kunden immer wieder. Im Mai 2013 hat sie im Schweizer Markt die «KontoBox MeinZins» eingeführt, eine attraktive Produktbündelung mit monatlichem Fixpreis und individuellem Zins.

Im Private Banking haben wir zudem in den nachhaltigen Ausbau unserer internationalen Wachstumsmärkte investiert. Für unsere Kunden in Zentral- und Osteuropa haben wir unser Produktangebot erweitert. Diese betreuen wir von Wien, Genf und Zürich-Erlenbach aus. Und unseren Kunden im Mittleren Osten ermöglichen wir neu den Zugang zu den Aktienmärkten in Dubai und Abu Dhabi.

Sie haben ein neues Vergütungsmodell eingeführt. Was versprechen Sie sich davon?

Hans-Werner Gassner: Wir legen Wert auf eine verantwortungsvolle Leistungskultur und haben Massnahmen umgesetzt, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Dazu gehört auch unser neues Vergütungsmodell, das für die Bankenwelt Modellcharakter besitzt. Ab 2014 bestimmt nicht mehr allein das Unternehmensergebnis die Höhe der variablen Vergütung, sondern auch die Leistungen der Mitarbeitenden. Unser neues Vergütungsmodell ist für leistungsstarke Mitarbeitende attraktiv, gleichzeitig trägt die Bonus-Malus-Logik dazu bei, die Qualität in Richtung Selbststeuerung und Eigenverantwortung zu erhöhen.

Viele Banken arbeiten daran, die US-Steuerthematik zu bewältigen. Wie ist es Ihnen gelungen, eine Lösung für die LLB Vaduz zu erzielen?

Hans-Werner Gassner: Tatsächlich konnten wir die US-Steuerthematik für die LLB Vaduz definitiv regeln. Für sie ist das Thema seit 30. Juli 2013 abgeschlossen. Dazu haben wir mit dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft des südlichen Distrikts von New York ein «Non-Prosecution Agreement» unterzeichnet. Mit dieser «Vereinbarung über einen Verzicht auf Strafverfolgung» haben die USA ihre Untersuchungen gegen die LLB Vaduz beendet. Wir haben im Gegenzug eine Zahlung von USD 23.8 Mio. geleistet. Die US-Behörden haben unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit anerkannt ebenso wie die Tatsache, dass wir bereits vor Beginn der Untersuchung freiwillig Massnahmen ergriffen hatten, um US-Beziehungen ohne entsprechende Dokumentation zu beenden. Die Lösung der LLB Vaduz schafft Klarheit und Sicherheit für unsere Kunden, Mitarbeitenden und Aktionäre.

Wo sehen Sie den Finanzplatz in Zukunft?

Roland Matt: Das grenzüberschreitende Private Banking bleibt auch künftig ein tragender Pfeiler des Finanzplatzes Liechtenstein. Die weitere Entwicklung hängt zum einen von der Qualität der Akteure, Dienstleistungen und Produkte im institutionellen sowie im Privatkundensegment ab. Zum anderen sind Behörden und Politik gefordert, den Finanzplatz auch weiterhin mit stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen zu unterstützen, damit sich die Banken ihren Kernkompetenzen widmen können. Liechtenstein passt sich daher vorausschauend dem regulatorischen Wandel im Steuerbereich an.

Gilt dies auch unter den neuen Rahmenbedingungen der Steuerkonformitätsstrategie Liechtensteins?

Hans-Werner Gassner: Mit der Regierungserklärung vom 14. November 2013 setzt das Land den am 12. März 2009 mit der Liechtenstein-Erklärung eingeschlagenen Weg der praktizierten Steuerkonformitätsstrategie konsequent fort. Die Liechtensteinische Landesbank unterstützt diese Finanzplatzstrategie ausdrücklich und aktiv. Die LLB-Gruppe hat für sich einen risikobasierten Ansatz mit steuerlicher Selbstdeklaration zum Standard erklärt.

Was erwarten Sie für das Jahr 2014?

Roland Matt: Die Banken agieren nach wie vor in einem schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld, das von hoher Instabilität, niedrigen Zinsen und einem starken Druck aus dem Ausland geprägt ist. Dies und markant gestiegene Regulierungskosten haben sich negativ auf die Margen ausgewirkt.

Die LLB-Gruppe stellt sich diesen Herausforderungen. 2013 war das erste Jahr unserer Strategie Focus2015. Wir haben unseren Fokus auf ausgewählte Kundensegmente und Märkte gerichtet. Die Umsetzung unserer strategischen Initiativen zeigt bereits Wirkung und wir haben unsere operative Leistung weiter gestärkt. Als Bank mit Tradition haben wir das uns entgegengebrachte Vertrauen bestätigt, Verantwortung übernommen und mit Leistung überzeugt. Unser Ziel für 2014 ist, Mehrwert für unsere Kunden und Aktionäre zu schaffen, noch effizienter zu werden und unseren Fokus auf Kunden und Märkte weiter zu schärfen. Mit der Strategie Focus2015 entwickeln wir unsere Erfolgsfaktoren gezielt weiter.

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